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Anti-Islam-Kongress in Köln verhindert
Dienstag, 23. September 2008

Vom 19. - 21. September 2008 wollte sich die faschistische Bürgerbewegung „Pro Köln“ in Köln und Leverkusen zum „Anti-Islamisierungskongress“ treffen. Eingeladen waren viele Rechtsextreme aus ganz Europa, unter anderem Jean-Marie Le Pen von der „Front National“ (FN) aus Frankreich und Heinz-Christian Strache von der FPÖ aus Österreich. Beide sagten jedoch kurz vor dem Kongress ihre Teilnahme ab.


Kein Durchkommen - für niemanden!

Bereits im Vorfeld des Kongresses gab es zahlreiche Gegenaktionen, Info- und Mobilisierungsveranstaltungen in fast allen Bundesländern. Zu den Großblockaden am 20. September riefen der Antifa AK Köln, das Bündnis gegen „pro Köln“, die Interventionistische Linke und das Ums Ganze-Bündnis auf.

Am Freitag, den 19. September, ging es mit Protesten los: Eine von „Pro Köln“ geplante Pressekonferenz konnte nicht wie geplant stattfinden, da der angemietete Rheindampfer „Moby Dick“ mehrmals von AntifaschistInnen angegriffen und teilweise entglast worden ist. Das Schiff irrte etwa fünf Stunden auf dem Rhein entlang, bis eine Anlegestelle gefunden wurde, die nicht von AntifaschistInnen besetzt gewesen ist…


Fight The Game!

Am selben Abend demonstrierten etwa 2.000 AntifaschistInnen unter dem Motto „Fight The Game! Rassismus, Islamismus, Nationalismus und Kapitalismus bekämpfen!” in der Kölner Innenstadt. Die überforderte Polizei provozierte die Demo mehrmals und versuchte sie anzugreifen, wurde aber von den DemoteilnehmerInnen zurückgewiesen. Danach wurden Farbbeutel auf die Polzei geworfen und die Ausländerbehörde massiv angegriffen.

Am Ende der Demo wurde versucht, den Heumarkt - den geplanten Kundgebungsort von „Pro Köln“ -zu besetzen, was einzig am brutalen Durchgreifen der Polizei scheiterte. Nach dem Auflösen der Demo gab es eine spontane Nachdemo in der Kölner Innenstadt. Eine Menge Schaufensterscheiben und Autos wurden entglast, etwa 100 AntifaschistInnen wurden eingekesselt.


Rechtspopulismus stoppen!

Am nächsten Morgen befanden sich zehntausende AntifaschistInnen in der ganzen Innenstadt, schon nach etwa 20 Minuten waren alle Zufahrtswege zum Heumarkt blockiert. Für „Pro Köln“-Mitglieder, Geschäftsleute und JournalistInnen war kein Durchkommen mehr möglich.

Bereits am frühen Morgen war zwischen Troisdorf und Köln eine Signalanlage der Deutschen Bahn in Brand gesetzt worden. Der ÖPNV kam größtenteils zum Erliegen.


Kreativer Barrikadenbau

In der Nähe des Maritim-Hotels wurden die großzügig aufgestellten „Hamburger Gitter“ der Polizei von AntifaschistInnen durchbrochen. Nach ein paar Böllern wurden die Polizeieinheiten durch Pferde- und Hundestaffeln verstärkt. Die nun herumstehenden Absperrgitter wurden von AktivistInnen zum Barrikadenbau verwendet. Das USK musste wegrennen.

Immer wieder versuchten „Pro Köln“- und Neonazi-Kleingruppen durch die Blockaden zu sickern, wurden jedoch schnell enttarnt, teilweise massiv angegriffen und von AntifaschistInnen des Platzes verwiesen. Am Rheinufer brannten inzwischen schon die ersten Müllcontainer, Wasserwerfer und Räumpanzer wurden an der Blockade platziert.

Noch während die „Pro-Köln“- Führung am Köln-Bonner Flughafen festsaß, eröffnete „Pro Köln“-Chef Manfred Rouhs vor lediglich etwa 40 Nazis die Kundgebung auf dem Heumarkt. Zur selben Zeit wurden in der gesamten Innenstadt Barrikaden errichtet und angezündet, die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

Gegen 12:35 Uhr sah die Polizei die „Sicherheit der Kölner BürgerInnen und friedlichen DemonstrantInnen“ nicht mehr gewährleistet und verbot kurzerhand den Anti-Islamisierungs-Kongress. Dem italienischen Naziterroristen Mario Borghezio von der Lega Nord wurde mitten in seiner Rede das Mikrofon abgestellt. Die festgesetzten Nazis hielten gegen 14 Uhr eine Kundgebung im Keller eines Flughafen-Terminals ab und traten danach frustriert den Heimweg an.

Am Rheinufer wurde gegen Mittag ein Spezialeinsatzkommando (SEK) eingesetzt. In der Rheingasse kesselte das SEK mehrere AntifaschistInnen ein. Eine gefesselte Person lag verletzt und regungslos am Boden. Dem jungen Mann wurde von den PolizistInnen eine schwarze Mütze über den Kopf gezogen, so dass er nur unter Schwierigkeiten atmen konnte. Ihm wurde die Hilfe von SanitäterInnen und AnwältInnen verweigert.


Always carry a bible!

Zur Feier des Erfolges starteten mehrere antifaschistische Demonstrationen, welche aber massiv von der Polizei angegriffen und größtenteils eingekesselt wurden. Dabei wurden DemonstrantInnen herumgestoßen, geschlagen und getreten, mehrere wurden leicht verletzt. Die Kessel dauerten bis in die späten Abendstunden, insgesamt wurden etwa 500 AntifaschistInnen in die Gefangenensammelstelle in Brühl abtransportiert.


Wenn's wieder emol „schäpperet“...

Résumé des Wochenendes: Der groß angekündigte „Anti-Islamisierungs-Kongress“ konnte durch antifaschistischen Protest verhindert werden. Neonazis und Mitglieder von „Pro-Köln“ wurden in ihre Schranken gewiesen, und auch bayerische Spezialeinheiten mussten ordentlich was wegstecken. In Köln agierte die linksradikale Bewegung gemeinsam und entschlossen. Der radikale Diskurs, FaschistInnen offensiv aus der Gesellschaft auszugrenzen, hat sich in Köln durchgesetzt.

¡No pasaran!