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besetzen, kollektivieren, selbst verwalten
Frei.
Freiräume sind für uns Orte, die mit dem vermeintlich normalen
gesellschaftlichen Leben brechen. Herrschaftsformen sollen abgebaut,
herrschende Normen und Wertvorstellungen hinterfragt werden. Die
Ökonomie soll die Autonomie der Menschen steigern und nicht den Profit.
Die kollektive Struktur soll der Vereinsamung und Privatisierung von
Bedürfnissen entgegenwirken. Selbstentfaltung und Experimente sollen
Platz haben. Der Entwicklung kritischer Kommunikation wird Raum gegeben.
Sexistische, rassistische und andere Diskrimierungsformen sollen offen
gelegt, reflektiert und bekämpft werden, wodurch ein Schutzraum
entstehen soll. Ein Freiraum soll nicht nur eine Nische sein, sondern
soll Auswirkungen auf die Gesellschaft entfalten. Er bietet
Infrastruktur für eine Politik, die herrschende Verhältnisse in Frage
stellt und Möglichkeiten aufzeigt, diese zu überwinden.
Leer.
In Freiburg gibt es 24.714 Wohngebäude und 105.594 Wohnungen (Stand:
01.01.2009), davon stehen derzeit etwa 900 Wohnungen leer. Rund 640 der
städtischen Wohnungen, etwa 6,2 Prozent, stehen ungenutzt leer. Aber
auch diejenigen, die in Freiburg in den Genuss einer Wohnung oder eines
Hauses kommen, können nicht gemütlich leben und wohnen, sondern müssen
laut einer bundesweiten Studie durchschnittlich 44 Prozent ihres
Einkommens für diesen Genuss aufbringen.
Diese Missstände liegen im gesellschaftlichen System begründet.
Im Kapitalismus werden Dinge als Ware gehandelt, die durch den Vergleich
am Markt einen Wert erhalten. Da die Häuser eine Ware auf dem
Immobilienmarkt darstellen, werden sie zum Zweck der Gewinnmaximierung
gehandelt. So kommt es, dass nicht der eigentliche Nutzen der Häuser –
nämlich die Möglichkeit, darin zu wohnen, zu arbeiten und zu leben –
ihren Zweck bestimmen, sondern ihr jeweiliger Wert auf dem Markt.
Leerstand und speziell die Spekulation mit diesem, sowie Sanierung,
Abriss und/oder Verkauf sind für die Eigentümer_innen profitabler. Diese
sind allerdings auch den Zwängen der kapitalistischen Verwertungslogik
unterworfen; der Maßstab ihres Handelns kann deshalb kein moralischer
sein. Um das Grundbedürfnis Wohnen zu stillen, muss man sich den
gegebenen Umständen bedienen, was letztlich zwangsläufig zur
Eingliederung in den kapitalistischen Normalbetrieb, worunter speziell
auch Lohnarbeit fällt, führt.
Her damit.
Unser Ziel ist eine Welt, in der viele Welten möglich sind - eine Welt,
in der Menschen die Gesellschaft aktiv nach ihren Bedürfnissen
gestalten. Dafür braucht es Orte und Räume, die sowohl all denen offen
stehen, die diskriminierende Gewalt erfahren, als auch denen, die sich
für eine Gesellschaft frei von Herrschaft und Gewalt engagieren.
Wir haben keine Wahl - innerhalb der bestehenden Verhältnisse müssen
wir für unsere Freiheit kämpfen! Warum sollte ich für ein Haus Miete
zahlen, das dort seit hundert Jahren steht? Nur weil es jemand besitzt?
Warum werden neue Häuser und Villen gebaut, wenn es eigentlich genug
Wohnraum gibt? Warum wird dafür immer mehr Fläche versiegelt und Natur
zerstört? Warum können Menschen nicht würdig leben, wenn sie kein Geld
haben? Wofür überhaupt Geld und Tauschwert? Wenn Häuser nicht den
Menschen und ihren Bedürfnissen, sondern allein der Verwertung dienen,
dann holen wir sie uns zurück!
Alles für Alle: das heißt Aneignung von Eigentum und die Umwandlung
in einen offenen Raum, der entprivatisiert und damit für alle nutzbar
ist. Das heißt die Entwicklung eines selbstbestimmten, gemeinsamen und
solidarischen Zusammenlebens, in dem Menschen ihre Grenzen selbst setzen
und mit anderen aushandeln. Nicht nur für mich oder dich, sondern für
alle Menschen, egal woher sie kommen. Wir wollen Umsonst - Netzwerke
aufbauen, die ein engagiertes Leben ohne Lohnarbeit möglich machen. Wir
brauchen Räume zum Wohnen und politischen Arbeiten, zum Ideen spinnen
und Utopien ausprobieren, Diskussions- und Inforäume, selbstorganisierte
Cafés, Wagenplätze und Kneipen. Räume, in denen eine Welt ohne
Herrschaft und Unterdrückung ausprobiert werden kann. Und: Wir wollen
erreichen, dass dieses ‚wir‘ nicht isoliert bleibt, sondern sich als
Bewegung der Unzufriedenen bildet, die den Kampf um Freiheit für alle zu
gewinnen haben.
Ein Haus ist nicht genug - besetzt die Welt!
„Eine Gesellschaft, in der die bewaffnete Staatsmacht dafür
sorgt, dass ein Haus seinen menschlichen Zweck nicht erfüllt, ist
offenkundig verrückt.“
Website der Kampagne: www.annefreiburg.blogsport.de
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