Der Weltfrauentag und der Iran
Im Rahmen des Weltfrauentages am 8. März rufen wir zur
Solidarität mit
der iranischen Opposition gegen das islamistische Regime auf.
Der internationale Weltfrauentag entstand in der Zeit um den Ersten
Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für
Frauen. Die Idee hierfür wurde das erste Mal von der Sozialistin Clara
Zetkin auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz
am 27. August 1910 in Kopenhagen vorgestellt. Wir wollen diesen Tag
symbolisch nutzen, um jede Form von Diskriminierung auf Grund von
Geschlecht oder Sexualität anzuprangern.
Anlässlich dieses Tages wollen wir den Schwerpunkt
unseres
Protestes auf
die aktuelle Situation im Iran legen. So ist das Regime im Iran nichts
anderes als eine islamistische Diktatur, welche durch religiösen
Fanatismus menschenverachtende Zustände täglich reproduziert. Das
gesellschaftliche Leben der Frau im Iran ist geprägt von religiösen
Dogmen, welche die autoritäre Regierung stets mit Gewalt aufrecht
erhält. So wird auch dort das Bild der Frau in gesellschaftliche Rollen
aufgespaltet. Das Kriterium hierfür ist die Hijab (1). Der Begriff Hijab
bedeutet sinngemäß die religiös vorgeschriebene Kleiderordnung für
Frauen, welche Ausdruck eines frommen, tugendhaften Lebens im
fundamentalistischen Alltag ist. Eine Frau, welche diesen Ansprüchen
gerecht wird, hat die gesellschaftliche Stellung einer Ba-Hijab. Eine
Bad-Hijab hingegen entspricht einer Frau, welche sich diesen Ansprüchen
nicht fügt. Um diesen Status auferlegt zu bekommen, genügt es zum
Beispiel, die Hijab nicht regelkonform anzuwenden. Die Stellung der Frau
ist also davon abhängig, in wie fern sie sich den auferlegten, staatlich
kontrollierten Normen und Gesetzen fügt.
Hierbei handelt es sich um ein streng
einschränkendes, jede Form
freier
Entfaltung verhinderndes, islamistisches Rechtsverständnis und eine
damit einhergehende Ausübung staatlicher Repression. Die Frau nimmt im
selbsternannten Gottesstaat Iran, welcher die gesamte Gesellschaft dem
fundamental islamischen Recht (Scharia) unterwirft, eine gesonderte
Rolle ein, weil ihr in besonderem Maße Autorität, Zwang und
Unterdrückung widerfährt. Nichtsdestotrotz darf natürlich in diesem
Zusammenhang die gesamtgesellschaftliche Unterdrückung im Iran nicht in
den Hintergrund gerückt werden. So richten sich die momentanen Aufstände
im Iran nicht nur gegen das islamistische Regime, sondern sind auch
teilweise Ausdruck einer Ablehnung gegen die herrschenden
Geschlechterrollen.
Jede Form der Staatskritik, unabhängig des Motivs,
wird verfolgt,
wie
jede Glaubensform, die den islamistischen Ansprüchen des Staates nicht
genügt, wird diskriminiert. Jegliche Form freier Meinungsäußerung und
Vorstellungen eines modernen, säkularisierten Lebens und einer ihr
obliegenden Gesellschaft wird diskriminiert und verfolgt. Hierbei
schreckt das islamistische Regime weder vor Folter noch Mord zurück.
Umso erschreckender ist die Feststellung, dass
Staaten trotz
dieser
menschenverachtenden Zustände noch weiterhin mit dem iranischen Regime
kooperieren und verhandeln. Hervorzuheben ist hierbei, dass diese
Kooperation meist mit einem scheinbar kulturellen Austausch und einer
Toleranz gegenüber sogenannten anderen Kulturen begründet wird.
Hierbei wird die autoritäre, faschistoide Unterdrückung der iranischen
Gesellschaft durch das islamistische Regime einfach ignoriert. Ein
besonderes Beispiel hierfür liefert die Städtepartnerschaft zwischen der
Stadt Freiburg (2), welche sich nach außen als weltoffen und tolerant
gibt, und der iranischen Stadt Isfahan, welche der gleichen Staatsform
und damit einhergehenden Unterdrückung unterliegt, wie der gesamte Iran.
Eine Stadt, welche sich offen gegen jede Nutzung von Atomkraft
ausspricht erhält als einzige Stadt in der Bundesrepublik eine
Städtepartnerschaft zu einem Staat aufrecht, welcher offensichtlich nach
atomarer Bewaffnung strebt.
Ohne florierenden Handel mit dem Ausland hätte das
iranische
Regime
größere Schwierigkeiten, die innenpolitische Stabilität aufrecht zu
erhalten. Auch Deutschland, als weltweit zweitgrößter
Außenhandelspartner
des Irans, hat selbstredend seinen Anteil daran (3). So liefert z.B.
Mercedes Benz Fahrzeuge für iranische Milizen und die dortige Polizei
und Siemens Turbokompressoren, die für das Raketenprogramm genutzt
werden können (4). Dies verdeutlicht, dass es für das Kapital nicht von
Belang ist, welche politischen Zustände herrschen, solange sie die
Gewinnmaximierung nicht stören.
Solidarität mit der radikalen Opposition im Iran und
im Exil!
Nieder mit dem iranischen Regime!
Solidaritäts-Kundgebung | 8. März | 16 Uhr |
Rathausplatz
Freiburg
Vortrag zur aktuellen Situation im Iran | 8. März |
20 Uhr
| Strandcafé im Grethergelände
Quellen:
(1) phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=434&print=
(2) waiting.blogsport.de/2006/12/13/ein-brief-gegen-freundschaft-isfahan-und-freiburg/
(3) stopthebomb.net/de/start/deutschland/d-iran.html
(4) spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,666693,00.html
Orga Iran-Aktionstag Freiburg im März 2010
UnterstützerInnen:
Anarchistische Gruppe [:ag] Freiburg - www.ag-freiburg.org
Antifa 3.0 - www.dreinull.antifa.net
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