Infoveranstaltung | 24. März 2010 | 19:30 Uhr | KTS Freiburg
Protest und Widerstand zwischen Recht auf Stadt, Mordermittlungen und
BKA-Konstruktionen
Immer stärker zeichnet sich ab, dass die seit 21 Jahren besetzte Rote
Flora im Hamburger Schanzenviertel ab März 2011 räumungsbedroht ist. Je
mehr die Bedrohung des Projektes zunimmt, desto konkreter werden
allerdings auch Vorbereitungen, um die Flora zu verteidigen. Das
autonome Stadtteilzentrum ist dabei nicht isoliert, sondern steht im
Zusammenhang mit der Entwicklung einer neuen Protestbewegung.
Bundesweit sorgte die -Recht auf Stadt--Vernetzung im letzten Jahr für
Aufsehen. Dieses Netzwerk hat sich aus verschiedenen linken Initiativen
und Projekten im Schanzenviertel, St.Pauli Süd und Willhelmsburg
entwickelt. Mittlererweile ist ein breites Spektrum, vom bedrohten
Schrebergärten, Stadteilinitiativen gegen Umstrukturierung oder
Gegner_innen der Fernwärmeleitung eines Kohlekraftwerks daran beteiligt.
Künstler_innen besetzten das Gängeviertel, andere den Frappant-Komplex,
wieder andere versuchen, die Aufwertung am Hafenrand durch den Bau des
-Bernhard-Nocht-Quartiers- zu verhindern.
Die Diskussion um die Entwicklung der Stadt und Kritik am
Standortwettbewerb bewegt dabei weit über die linke Szene hinaus die
politische Situation. In der Erklärung -Not in Our Name- haben mehrere
hundert Musiker_innen, Autor_innen oder Grafiker_innen sich gegen eine
Vereinnahmung ihrer Kreativität im Sinne einer Standortpolitik als
-Marke Hamburg- ausgesprochen und sich solidarisch mit aktuellen
Besetzungen und der Roten Flora erklärt. Der schwarz/grüne Senat
versucht, diesen Protesten mit einer Mischung aus Vereinnahmung und
Repression zu begegnen.
Im Zentrum der Kriminalisierung stehen dabei autonome Strukturen und
Anwohner_innen im Schanzenviertel. Heimliche Kameraüberwachung der
Straßen aus Büros und Geschäften, massive Polizeipräsenz, Abhörmaßnahmen
und Observationen gegen politische Aktivist_innen gehören zum Alltag.
Die Repression ist dabei nicht nur eine Reaktion auf den Widerstand
gegen Gentrifizierung, sondern auch Vorbereitung eines sich
abzeichnenden Angriffs auf die Rote Flora.
Im Dezember 2009 wurde eine Polizeiwache im Schanzenviertel mit Steinen
angegriffen und zwei dort abgestellte Streifenwagen in Brand gesetzt, um
an den Tod von Alexandros Grigoropoulos zu erinnern, der von Polizisten
in Athen erschossen wurde. In einer Erklärung der Gruppe Koukoulofori
wurde sich auch auf eine möglicherweise bevorstehende Räumung der Roten
Flora bezogen. Die Hamburger Polizei entwickelte im Folgenden aus den
Sachbeschädigungen ein Ermittlungskonstrukt nach -versuchtem Mord- und
das Bundeskriminalamt hat das Verfahren an sich gezogen. Hinter den
Kulissen wird dabei an einem §129 Verfahren gebastelt. Diese
Ermittlungen dienten Anfang des Jahres einer Neubestimmung der
geheimdienstlichen und polizeilichen Schwerpunktsetzung in der BRD.
Dabei wurde ein umfangreiches Dossier über linke Strukturen erstellt, um
einen "Paradigmenwechsel" einzuleiten.
Wir haben AktivistInnen aus der Roten Flora eingeladen, welche uns über
die Bedrohung des Projektes und Widerstandsperspektiven vor dem
Hintergrund der -Recht auf Stadt--Proteste und der aktuellen Repression
berichten werden. Um einen visuellen Eindruck zu geben, wird am Anfang
der Veranstaltung ein Film gezeigt.
Rote Hilfe Freiburg & Anarchistische Gruppe [:ag] Freiburg
www.kts-freiburg.org/ea
www.rote-flora.de
|