Es wird kalt… – antikapitalistisches “warm up” Herbst 2012

Durch die Mobilisierungen von M31 und Blockupy im ersten Halbjahr  dieses Jahres sind zwei Dinge deutlich geworden. Einerseits: Es ist  möglich auch in einer der Schaltzentralen des europäischen Kapitalismus  antikapitalistische Akzente zu setzen. Andererseits: Die radikale Linke  ist bisher viel zu schwach um der europaweiten Verelendung im Namen  „nationaler Wettbewerbsfähigkeit“ eine antikapitalistische Alternative  entgegen zu setzen. Das liegt weniger an der Übermacht eines  hochgerüsteten Polizeiapparates. Vielmehr hängt es daran, dass die  Einbindung der meisten Menschen in die nationale Ideologie, dass „wir“  in den Stürmen der Weltmarktkonkurrenz doch irgendwie alle in einem Boot  sitzen, nach wie vor bei vielen Menschen verfängt. Zudem steckt unter  den falschen Verhältnissen auch ein Körnchen Wahrheit im  nationalistischen Ressentiment: Verglichen mit den (gerade von den  „soliden deutschen Unternehmen“) kaputt konkurrierten Ländern sieht es  in Deutschland doch noch besser aus.

Auch wenn Staat und Kapital also längst transnational vernetzt sind –  die Unterdrückten und Geknechteten aller Länder werden sich auf  absehbare Zeit nicht einfach von selbst vereinen. Der kommende Aufstand  lässt auf sich warten. Gleichzeitig ist die Stabilität des Bestehenden  auch im Exportweltmeisterland nur auf Sand gebaut. Denn der Erfolg des  Standortes Deutschland hat nicht nur das wachsende Elend in anderen  Ländern zur Voraussetzungen. Er bedingt auch hierzulande die zunehmende  Unterordnung aller Lebensbereiche unter die Zwänge von wirtschaftlicher  Effizienz und staatlichem Kalkül: Zerstörung von Umwelt und  Lebensqualität? Nebenkosten kapitalistischer Infrastrukturpolitik.  Bildung? Mittel zum Zweck der lebenslangen „Employability“. Soziale  Absicherung? Muss mensch sich gegen andere verdienen. Globales Reisen?  Nur für Waren, nicht für Menschen. Wohnen in der Stadt? Wenn du es dir  leisten kannst. Technischer Fortschritt? Macht nicht die Arbeit, sondern  die Angestellten überflüssig. Schwimmbäder, Jugendzentren und  Bibliotheken? Die Schuldenbremse kann leider nicht warten. Demokratie?  Gerne, solange sie „marktkonform“ (Merkel) ist. Diese Liste wird sich  also fortsetzen, wenn wir uns weiterhin von den Zwängen von  Profitmaximierung, Verwertung und deren regelmäßigen Krisen herum  schubsen lassen.

Das ist keine schöne Perspektive, doch genau hier könnte auch ein  Ansatzpunkt liegen. Denn in den lokalen Kämpfen gegen diese  Standortpolitik und für unsere gemeinsamen Bedürfnisse muss  Antikapitalismus praktisch werden. Hier kann deutlich gemacht werden,  dass die Sachzwänge des Kapitals keine Naturgesetze sind. Dadurch könnte  die gesellschaftliche Isolation überwunden und so auch hierzulande die  Grundlage für eine wirksame, grenzübergreifende Vernetzung gelegt  werden. Dafür braucht es allerdings wahrnehmbare Kristallisationspunkte,  an denen die verschiedenen Konflikte aus sozialen Zentren, Stadtteilen,  Ämtern und Betrieben zusammengeführt werden können. Doch wie es der  Zufall so will, bietet uns die List der kapitalistischen Unvernunft dazu  mit der European Finance Week im November eine passende Gelegenheit.  Bei dieser Konferenz wollen die Spitzen von deutschem Staat, EZB, EU und  zahlreichen Finanzunternehmen in der „Global City Frankfurt“ die  weitere Entwicklung der autoritären Krisenverwaltung diskutieren. Zwei  Termine bieten sich dabei besonders für Gegenaktionen an: Zum einen das  Frankfurter Immobilienforum in der IHK, bei dem offen darüber verhandelt  wird, wie die Verwertung der Städte weiter voran getrieben werden kann.  Zum anderen die große, öffentlichkeitswirksame Abschlussgala der  Finance Week unter der Schirmherrschaft des deutschen Finanzminister und  selbsternannten europäischen „Sparkommissars“ Wolfgang Schäuble in der  Frankfurter Oper. Beide Veranstaltungen zeigen zwei Seiten derselben  Medaille: Regionale Zurichtung für den Standort hier und internationale  Krisenverwaltung dort. Währenddessen kündigt sich in Spanien, Portugal,  Italien und Griechenland bereits die nächste Runde sozialer Aufstände  an.Wir meinen: Diese Chance sollten wir nutzen. Nicht, weil damit gleich  der nächste Großevent mit Erlebnisfaktor ins Haus steht – sondern um  das einfache, das bekanntlich schwer zu machen ist, ein wenig  wahrnehmbarer zu machen.Gegen die Lobbyisten des Bestehenden muss  deutlich gemacht werden: Alternativlos ist nicht der Kapitalismus,  sondern seine Überwindung. Dafür gilt es immer wieder dahin zu gehen, wo  es Staat, Nation und Kapital weh tut .

Und das heißt im November in  Frankfurt: Die Inszenierung kapitalistischer Standortpolitik als lokal  wie international alternativlose Normalität zu stören.

WARM UP FÜR EIN KÄMPFERISCHES 2013
DAS AUTORITÄRE KRISENREGIME DURCHBRECHEN!

Termine:

13.10. – 15Uhr – Hauptbahnhof, Frankfurt/M – Demonstration
„Selbstorganisierte Zentren verteidigen – Soziales Wohnen möglich machen!“
20.10. – 14Uhr – Rossmarkt, Frankfurt/M – Veranstaltung
„Die Große Entwertung – warum Spekulation und Staatschulden nicht die  Auslöser der Krise sind“ mit Buch-Autor Norbert Trenkle im Rahmen von  Blockupy
8.11. – 20Uhr – DGB Jugendclub, Frankfurt/M – Veranstaltung
„Kapitalismus Kaputt? Ein Plädoyer, sich der Krisenoffensive des  Kapitals entgegen und die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt zu  stellen“ mit Autor Tomasz Konicz (lunapark21, Krisis)
20.11. – IHK, Frankfurt/M – tba
Proteste gegen das Frankfurter Immobilienforum in der IHK Frankfurt „Wem gehört die Stadt?“
Infos: notroika.linksnavigator.de
23.11. – Frankfurt/M – tba
Antikapitalistische Demonstration anlässlich der Abschlussgala der  European Finance Week in der Alten Oper Frankfurt „Die Krise heißt  Kapitalismus“

Gemeinsame Zugfahrt aus Freiburg: 13:10 Uhr, Gleis 1 (Abfahrt: 13:25 Uhr)


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