Die [:ag] Freiburg ist ein Zusammenschluss junger und jungebliebener AnarchistInnen aus der Region Freiburg. Wir haben uns Anfang Juli 2008 zu einer anarchistischen Gruppe, welche die internationale Vernetzung unter anarchistischen Gruppen und Einzelpersonen vorantreiben will, zusammengefunden.
Durch eigene Erfahrungen haben wir schnell gemerkt, dass in dieser Gesellschaft und in diesem kapitalistischen System die individuelle Entfaltung des eigenen Lebens fast bis gar nicht möglich ist und auch nicht möglich sein soll.
Da wir eine selbstbestimmte Lebensform ohne Zwänge und Hierarchien anstreben, ist uns aufgefallen, dass uns auf unserer Reise schon von Anfang an Steine seitens dieser Gesellschaft und diesem System in den Weg gelegt werden.
Wir wollen uns dadurch aber keinesfalls demotivieren oder einschüchtern lassen, sondern wollen uns mit Gruppen und Einzelpersonen - denen es genauso geht wie uns - vernetzen und uns und euch eine Plattform zur Vernetzung, zum Austausch und zum Weitergeben von Fähigkeiten bereitstellen.
Worum geht es uns?
Anarchismus ist eine politische Ideenlehre und Philosophie, die Herrschaft von Menschen über andere Menschen und jede Art von Hierarchie als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ablehnt. Daher bevorzugen wir eine anarchistische Gesellschaft als freiwilliger Zusammenschluss von selbstbestimmten Individuen und Kollektiven.
Unter der Anarchie verstehen wir die Aufhebung hierarchischer Strukturen und die Auflösung staatlicher Organe. Im Mittelpunkt stehen Freiheit, kollektive Selbstverwaltung, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und die Selbstverwirklichung der Individuen.
Sehr wichtig sind uns Hausprojekte, Wagenplätze, autonome & soziale Zentren welche aber langsam - und oftmals fast ohne Gegenwehr - unter dem Druck des Staates, der kapitalistischen Verhältnisse und deren AkteurInnen verschwinden.
Dieser Prozess, auch Gentrification genannt, verändert schnell und gnadenlos ganze Viertel, um Platz für Yuppies, InvestorInnen, alternative KünstlerInnen und andere mainstream-liebende Menschen zu schaffen. Für selbstorganisierte, unkommerzielle und antiautoritäre Räume scheint bald kein Platz mehr zu sein.
Auch sind wir anarchistische Anti-MilitaristInnen und fordern bzw. unterstützen den Protest gegen Krieg und Kriegsvorbereitungen. Wir sehen anarchistischen Anti-Militarismus als eine direkte Staatskritik.
Aus unserem Streben nach einem schönerem Leben ergibt sich auch unser Selbstverständnis für eine radikale Umsetzung der Tierrechte.
Das ethische Denken der letzten 2000 Jahre wurde wesentlich durch die Schriften von Aristoteles und sein streng hierarchisches Schema der Wertigkeit von Lebewesen getragen.
Spätestens seit Thomas von Aquin ist auch das judeo-christliche Denken diesbezüglich aristotelisch geprägt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden so eine ganze Reihe von Befreiungsbewegungen, um diese Wertehierarchie und die damit einhergehende Unterdrückung zu durchbrechen.
Grausam und mitleidlos nicht-menschlichen Tieren gegenüber zu sein kann auch als „unanständig“ und für eine höhere Rasse „nicht würdig“ angesehen werden. So einer Auffassung stellt allerdings die grundsätzliche Nutzung „niederer“, nicht-menschlicher Tiere nicht in Frage.
Eine klare Ausgrenzung tierschutzbewegter RassistInnen ließe sich daher erreichen, wenn die Tierrechtsbewegung ein größeres Augenmerk darauf legen würde, sich vom reinen Tierschutz, der die grundsätzliche Tiernutzung nicht in Frage stellt, abzugrenzen.
Zum Schluss noch ein Zitat von Alexander Berkman aus dem Jahre 1928:
"Ich möchte Ihnen etwas über Anarchismus erzählen. Ich möchte Ihnen sagen, was Anarchismus ist, denn ich glaube, es ist gut, wenn Sie es wissen. Auch deswegen weil so wenig darüber bekannt ist und das, was man im allgemeinen durch Hörensagen weiß meistens falsch ist. Ich möchte Ihnen darüber erzählen, weil ich glaube, daß Anarchismus die schönste und größte Sache ist, die Menschen je erdacht haben; er allein kann Ihnen Freiheit und Wohlstand geben und Frieden und Freude für die Welt bringen.
Ich halte den Anarchismus für die vernünftigste und am besten durchführbare Konzeption einer in Freiheit und Harmonie lebenden Gesellschaft. Ich bin überzeugt, daß er im Laufe der weiteren menschlichen Entwicklung mit Sicherheit verwirklicht wird.
Der Zeitpunkt dafür wird von zwei Faktoren abhängen: Erstens davon, wann die bestehenden Bedingungen für einen großen Teil der Menschheit physisch und geistig unerträglich werden, und zweitens davon, in welchem Maße die anarchistischen Ansichten verstanden und akzeptiert werden."